10/3/15

deine einheit, meine einheit, keine einheit? frankfurt feiert


1989. Ist eine Zahl. Und weckt unglaubliche Emotionen, nicht wahr? Oktober 1989? Noch mehr Emotionen, nicht wahr?
Kommen euch noch die Tränen, wenn ihr euch an jenen Monat vor 26 Jahren erinnert? Bekommt ihr Gänsehaut, wenn ihr die Bilder von damals seht? Wieso schreibe ich hier 26 Jahre? Wenn wir doch dieses Wochenende ein Vierteljahrhundert Deutsche Einheit feiern? Das fiel mir auch erst gar nicht auf, dass wir ja den 3. Oktober und nicht den Fall der Mauer feiern. Das hat aber auch seinen ganz einfachen Grund. Ich habe das nicht in Deutschland erlebt. Das Ereignis ist mir fremd. In der Fremde hielt ich mich nämlich auf.....

Im Oktober 1989 denke ich an das Erdbeben in San Francisco. Ein Erdbeben hatte ja auch Deutschland erschüttert; nur nicht geologisch, sondern politisch. 
Als die Mauer fiel und Ungarn die Grenzen öffnete, wohnte ich gerade einen Monat in meinem Apartment in La Jolla an der Universität. Als im Oktober die Erde in Nordkalifornien bebte, Menschen in ihren Autos auf der Autobahn starben, weinten wir. Die zerstörten Autos in San Francisco wieder zu sehen erschüttert mich bis heute. Die zerbröckelten Häuser, die mühsam abgestützt wurden. Bis heute ist es schwer darüber zu schreiben. 
In Kalifornien erreichte uns ausländische Austauschstudenten die Nachricht vom Mauerfall: alle bestürmtem uns Deutsche mit Fragen: "Wie ist das für Euch? Was denkt ihr?" Meine Standardantwort war immer gleich: wie soll das sein? Da erlebst du persönlich für dich ein lebenswichtiges Stadium in einem neuen Land. Da ist man einmal nicht Zuhause und schon drehen alle durch :) Es war schrecklich und wunderbar zugleich, nicht Zuhause zu sein. Die Einheit ist mir emotional immer ein bißchen fremd geblieben. So wie euch sicherlich das Erdbeben in San Fran. Ich kehrte 1991 in ein Deutschland zurück, dass mir fremd geworden war. 

Was für mich die Einheit bis heute aber bedeutet~

*kulturelle Vereinigung: anzuknüpfen an Weimar, Goethe und Schiller. Das Bauhaus in Dessau. 
* Berlin, auch wenn es -wie es sich für eine Hauptstadt gehört-, tierisch  nervt, wieder als eine Stadt zu erleben. Friedrichshain ist einfach wunderbar. Potsdam ist eine der schönsten Städte überhaupt. Als ich das Schloss einmal mit einer amerikanischen Freundin besuchte, traf ich dort auf den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker mit seiner Gattin, und durfte ihm die Handschütteln. Damals war das für mich als Studentin der Politikwissenschaft das Größte ;-)

* Aber das Allerbeste: meine ostdeutschen Verwandten aus dem Harz durften mich endlich besuchen. Wir hatten zusammen viele Sommerferien glücklich verlebt, aber immer nur im Osten, in der DDR. Nun wohnen sie alle Niedersaschen. 

Aber damit muss man leben, heute haben wir eine Kanzlerin, einen Bundespräsidenten aus dem Osten, meine Stiefmutter ist aus dem Osten. Ich finde das großartig. Bei allem, was es im Alltag zu meckern gibt, dürfen Menschen ihr Leben frei gestalten. Mit all den Niederlagen und Risken, die das mit sich bringt. Kein System ist ideal. Besser geht immer. Aber, was gar nicht geht, ist Leute wegen ihrer Meinung ins Gefängnis zu stecken, auszuspionieren, so dass ein Klima der Angst und des Mißtrauens entsteht. Sie wegen ihrer Entscheidung, ein Land verlassen zu wollen, umzubringen. Das ist das Gegenteil von Freiheit. 

Und San Francisco? Ist die Stadt, die sie immer war. Überirdisch schön balanciert es mitten auf den tektonischen Platten, immer auf das nächste Beben wartend. 

25 Jahre später ......Frankfurt feiert die Einheit - und ich kann dabei sein *freu* Wo verbringt ihr das Wochenende? Was verbindet ihr mit der Einheit?


-Sabina


19 comments:

  1. Guten Morgen Sabina, Oh jeh das Erdbeben. Für uns in Deutschland war das weit weg. In den Nachrichten zu sehen. Schlimme Sache. Das Du grade zu der Zeit dort warst, Oh Gott! Schön das Dir nichts passiert ist. Gar nicht auszudenken.
    Für mich ist in meinem Herzen der ware Feiertag der 9. November. Als die Mauer fiel. Die Menschen einfsch rüber drängten und niemand sie zurückhielt. Das war der Hammer und sowas von genial. Ich hab das auch nur im TV gesehen damals. Wohne ja schon immer und ewig in Mannheim, bin hier geboren und nie weg.
    Ich wünsche Dir auch einen schönen Feiertag, liebe Grüße Tina

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    1. Liebe Tina, danke dass ist sehr lieb von dir! In MA hatte ich mal eine Freundin, euer Straa
      ssensystem hat mich immer fasziniert! Dir auch ein schönes Wochenende und liebe Grüße Sabina

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    2. Ja unsere Quadrate... bissi wie in NYC :)

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    3. Ihr habt natürlich ein Stra(!)ßensystem. Über ipad kommentieren ist wirklich mühsam. Puh Ja, denke auch immer an NYC...:)))

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  2. Moin,
    am 3. Oktober vor 16 Jahren ist meine Tochter geboren. Daher haben wir doppelten Grund zum Feiern :-). Der wahre Feiertag ist für mich aber der 9. November. Ich habe damals in Hildesheim studiert, also gar nicht weit von der innerdeutschen Grenze. Meine Freundin, mit der ich die Wohnung teilte, war gerade für ein paar Tage an der Ostsee. Als wir im Fernsehen parallel gesehen haben, was da passiert und es kaum fassen konnten, hat wir kurz telefoniert (ohne Handy), sie sich ins Auto gesetzt und ist zurückgefahren. In den nächsten Tagen haben wir dann am Grenzübergang gestanden und uns einfach nur gefreut über all die Trabbis, die da rüberkamen. Das war schon unglaublich emotional damals...
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Hallöchen Fran, das ist ja amüsant, dass du in HI studiert hast, ist ja umme Ecke von mir;-) Wäre ich damals in Göttingen gewesen, hätte ich das auch so erlebt, denn mein spaterer Mann erzählte, dass die Luft höllisch stank und überall wunderbar Trabbis knatterten :) Liebe Grüße von Sabina

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  3. ich könnte da ja romane schreiben - so als ossi.
    allerdings hab ich den tag des mauerfalls in berlin-kreuzberg erlebt. also den tag nach der nacht, um genau zu sein. die hatten wir nämlich fast verschlafen, nur ein anruf, doch mal die glotze einzuschalten, machte uns aufmerksam auf das geschehen dieser nacht. und morgens kamen wir nicht aus der haustür weil tausende leute nach begrüssungsgeld anstanden vor der bank an der ecke - bei minusgraden. ich fand das alles sehr bizarr. dass die wiedervereinigung in vielen punkten einfach scheisse (sorry, aber ist doch wahr!) gelaufen ist wissen wir alle - die wirtschaft im osten fängt erst jetzt an sich davon zu erholen. und die westwirtschaft hat sicher sicher sehr gefreut über die ganzen fleissigen, genügsamen und sehr gut ausgebildeten fachkräfte die seit 1990 rübermachten weil sie mussten.
    ich war nie ein typischer ossi, wäre auch kein typischer wessi geworden. nur im westen war untypisch sein eben leichter - deswegen war ich abgehauen. nun wohn ich wieder im allertiefsten osten - aber typisch bin ich immer noch nicht!
    xxxxxx
    p.s.: leider wieder arge schusselfehler meine liebe - dabei ist der artikel so schön!

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    1. Danke sehr für den Hinweis, dabei habe ich gestern extra nochmal drüber geguckt, aber ipad ist schwer....sorry, sollte soweit jetzt glatt gebügelt sein! Ich kann mir auch vorstellen, dass du einiges zu sagen hättest;-) Auf der Einheitsfeier in F heute hab ich ein Foto nur für dich gemacht! Aber zu allem anderen kann ich halt gar nix beitragen, wie die Sache mit der Wirtschaft, weil ich nicht hier war....Mails dir Foto xxxxxx

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  4. Liebe Sabina, Du hast ja auch schon viel von der Welt gesehen. San Francisco, da würde ich auch gern mal hin....Ich muss ehrlich zugeben, dass ich von dem Erdbeben nichts mitbekommen habe oder mich zumindest nicht erinnern kann. Ich als Ossie könnte wie Beate auch Bände schreiben.. hab schon einen recht langen Post heute verfasst auf meinem Blog, wie ich die Wende damals erlebt habe.
    Es war wirklich sehr emotional und eine unvergessliche Erfahrung.

    Liebe Grüße
    Bianca

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    1. Liebe Bianca, da bin ich ja mal sehr gespannt auf deine Erfahrungen! Und San Fran ist immer eine Reise Wert. Auf jeden Fall, solltest du dir nicht entgehen lassen. Liebe Grüße Sabina

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  5. Liebe Sabina, ich weiß noch wie aufgeregt plötzlich alle wäre, an diesen schicksalshaften Tagen. Meine Eltern waren glücklich, sie wollten immer die Einheit, auch wenn wir selbst keine Verwandten im Osten hatten. Viele Jahre später bin ich immer noch ergriffen und gerührt, wenn ich Bilder von damals sehe.
    Liebe Grüße Ela

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    1. Das mit deinen Eltern ist ja wirklich sehr rührend! Liebe Grüße Sabina

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  6. Liebe Sabina, das hast du sehr schön geschrieben! Es hat mich berührt!
    Damals war ich noch in Brasilien, aber es war dort auch das ganz große Thema. Ich habe alles verfogt und selbstverständlich hab ich mich für euch sehr gefreut! :)
    LG Claudia

    htttp://www.claudias-welt.com

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  7. Das war schon sehr emotional damals liebe Sabina. Hier im Norden konnte ich alles im Fernsehen verfolgen und es zuerst gar nicht glauben. Auf die erste Euphorie folgte dann ganz schnell die Realität. Ich denke, mittlerweile hat sich alles eingependelt. Ein Erdbeben mitzuerleben, ist sicherlich ziemlich schlimm.

    LG Sabine - Bling Bling Over 50

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  8. Ein Staat/ Staaten, die Ihre Bürger einsperren waren und sind mir schon immer suspekt. Ob es nun ein Verdienst der damaligen BRD Regierung war, oder vielleicht doch eher der von Präsident Reagan, der den Osten einfach zu "Tode" gerüstet hat. Mit dem nötigen Kleingeld war das möglich.
    Bis zu diesem Zeitpunkt war der "Osten", der hinter der Mauer begann, für mich eine Black Box, der man mit dem Aufstellen von Pershings begegnete. Damals war das Feinbild definitiv klarer. Und ehrlichgesagt, ist mir der östliche Osten mit seiner Korruption, seinen Machthabern, seinem Gelddurst und seinen Oligarchen jetzt auch nicht "geheuer". Da hat sich für mich nichts getan.
    Wir hören hier jetzt ein paar Dialekte mehr. Im Osten war ich noch nie. In Berlin, einmal 1992, für ein paar Stunden auf dem Guns'n Roses Konzert. Was nichts heißt. Bisher war ich noch in Würzburg, Hof, Nürnberg, Augsburg, Landshut, Regensburg. Was dokumentiert, dass ich mich eher als Bayer, als als Deutsche fühle. In Köln. Düsseldorf. Hamburg. Da war ich schon. Bewußt. Gezielt. Geplant.Berlin war mir noch nicht so wichtig wie Budapest, Paris, London, Rom, Athen. Aber ich war auch noch nicht wirklich in Wien.
    Deutsche Einheit. Wichtig. Richtig. Geschichtlich. Gesellschaftlich. Politisch. Für mich persönlich aber nicht von Bedeutung.
    LG Sunny

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  9. Liebe Sabina,
    sehr interessant, dein Artikel! Ich war ja als Österreicherin sowohl im Zusammenhang mit dem einen als auch mit dem anderen Ereignis eine Ausländerin, das "Beben und Bröckeln" in Deutschland habe ich aber aufgrund der größeren räumlichen Nähe intensiver miterlebt. (In good old California war ich vor 3 Jahren zum ersten Mal, und erst da konnte ich zu diesem schönen Land eine Beziehung herstellen.) Ich hatte es als Kind schon schrecklich und unbegreiflich gefunden, dass man durch ein Land eine Trennlinie zieht, dass man Verwandte durch Mauern voneinander trennt, nur weil Politiker das so entscheiden. Seither ist mir Politik suspekt. Der Jubel beim Mauerfall im TV, das war Gänsehaut pur, aber irgendwie ist mir auch das immer schon fragwürdig erschienen: Wenn die Massen sooo sehr jubeln: Welche Versprechungen liegen da in der Luft?! Die Erwartungen sind hoch gesteckt, aber nur selten kann ein bejubeltes Ereignis, eine bejubelte Person, in der Realität den Erwartungen standhalten und die Versprechungen erfüllen...
    Lass dich herzhaft von mir drücken!
    Alles Liebe, Traude

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  10. 3. Oktober? Ehrlich? Null Emotionen! Mein 2. Geburtstag war der 09.11.1989 und der wird immer ordentlich gefeiert. Ich werde nie vergessen, wo ich herkomme. Sehr vieles an mir ist typisch Ossi und ich schliesse mich Bianca und Beate an - alleine meine 3 Tage im November währen schon ein Fortsetzungsroman.
    LG
    Bärbel ☼

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  11. Beim Bau der Mauer war ich 10 Jahre alt und konnte nicht glauben, dass so etwas wirklich gemacht werden kann. Wir hatten niemand im Osten, keine Verwandten, keine Freunde. Da haben wir in der Schule Päckchen gepackt, das fand ich schön, denn ich wusste, es freut sich jemand drüber.
    Den Mauerfall selbst habe ich in einer existenziellen Krisenzeit erlebt. Da blieb mir nicht viel Zeit zum Feiern. Aber einige Zeit nach dem Fall der Mauer haben wir inseriert, dass wir gern Menschen aus Ost-Deutschland kennen lernen würden und ein nettes Paar mit auch 2 Kindern aus Gera getroffen. Sie haben uns besucht, wir haben sie besucht, einige Jahre lang. So habe ich mich dem Osten angenähert. Inzwischen war ich fast überall in den neuen Bundesländern und finde sie hoch interessant. Potsdam ist meine Lieblingsstadt. Wir machen immer mal wieder dort einige Tage Urlaub. In meinem Blog habe ich schon öfters drüber geschrieben.
    Den Tag der Einheit habe ich aber am Bodensee verbracht - in Gedenken an das für mich wirklich wundersame Ereignis, dass es diese Mauer nicht mehr gibt.
    Deine Beschreibung mit San Francisco kann ich so gut nachvollziehen. Da hast Du auch ganz Großes erlebt für Dich im Guten wie im Schlechten.
    Herzliche Grüße von Sieglinde.

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    1. Ach ich habe das wohl total verschlafen, dass du einen Blog hast. Den muss ich mal anschauen....ist ja schön von euch, dass ihr so aufgeschlossen und weltoffen seid. Das ist sehr sympathisch und so würde ich es vermutlich auch machen, ohne Verwandtschaft. Hab noch einen schönen Abend und LG Sabina

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